Seit einigen Jahren wird in mehreren Bundesländern das Abitur nach 8 Jahren auf dem Gymnasium erreicht. Vorher waren 9 Jahre dafür vorgesehen. Die Kürzel G8 und G9 rühren von der auf dem Gymnasium verbrachten Anzahl von Schuljahren auf dem Gymnasium bis zum Abitur her. Die Regelung der durch die Maßnahme G8 verursachten Zeitverkürzung hat vorteilhafte und nachteilige Auswirkungen zugleich. Sie sind für die betroffenen Schüler und für die Schulen und sonstigen Einrichtungen jeweils getrennt zu bewerten.
Die Schüler werden im Verfahren G8 mit nahezu der gleichen Flut an Lehrstoff konfrontiert, wie bei G9. Darunter leidet die Intensität und Vermittlungstiefe, während gleichzeitig die zeitliche Belastung der Schüler steigt. Das Fehlen wegen Krankheit hat teilweise große Wissenslücken zur Folge, die nur schwer aufzuarbeiten sind. Das Lehrpersonal steht vor der Problematik eines kompakten Unterrichtes mit wenigen Chancen zur Wiederholung von nicht verstandenem Lehrstoff. Darunter leidet vor allem die individuelle Betreuung und Förderung einzelner Schüler erheblich.
Für die Lebensplanung der Schüler ergibt sich eine Einsparung von Zeit. Sie können ihr Studium 1 Jahr früher beginnen und abschließen. Allen G8-Abiturienten wird so ein früherer Einstieg in das Erwerbsleben ermöglicht. So ergeben sich bessere Chancen zum Aufbau einer Altersvorsorge, weil ein längeres Arbeitsleben ermöglicht wird. Im Gegenzug treffen sie auf völlig überfüllte Universitäten, da für einige Jahre G8 und G9 zeitgleich das Abitur erreichen und eine große Anzahl von Studienbewerbern um die vorhandenen Studienplätze konkurrieren. Der überraschende Wegfall der Wehrpflicht verschärft die Lage zusätzlich.
Der größte Vorteil liegt in den Haushalten der Länder und Kommunen. Durch G8 erhöht sich die Durchschleusung von Schülern erheblich. Somit können Bildungseinrichtungen effektiver genutzt werden und Lehrpersonal kann eingespart werden. Neueinstellungen von Lehrern können unterbleiben und führen zu weitere Kostendämpfung. Investitionen in den Unterhalt oder Neubau von Infrastruktur für Bildungszwecke können unterbleiben oder reduziert werden. Bei späteren Rückgängen der Schülerzahlen stehen die Einrichtungen nicht leer und es muss kein überschüssiges Personal unterhalten werden. Zur Verteilung der Kapazitäten könnte eine Rückkehr zu G9 durch die Politik wieder eingeführt werden.
G8 und G9 haben Vor- und Nachteile. Für das Erreichen einer fundierten Bildung sind durch G8 eher die Nachteile im Überhang. Schüler scheitern in G8 wegen Überforderung, die in G9 das Abitur erreichen könnten. Die Kritik der Schüler und Lehrer wird zunehmend lauter und fordert eine vernünftige Strukturierung der Lehrpläne oder eine Rückkehr zu G9. Das sogenannte Turboabitur geht nach Meinung der Betroffenen eindeutig zu Lasten der Qualität und ist langfristig nicht günstig.
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